26.06.2009
Meditation und Kreativität
Das Erreichen von Zufriedenheit, ohne anderen zu schaden eine sehr ehrenwerte und gute Motivation. Doch der Mensch als Gattung hat auch die Eigenschaft, eigentlich nie wirklich zufrieden zu sein. Auch der leider noch sehr kleine Teil der Menschheit, der nicht mehr existentiell bedroht ist, sucht weiter.
Das mag zum einen an den vielleicht unvollkommenen Methoden zum Erreichen der Zufriedenheit liegen, zum anderen vielleicht auch daran , daß das Erreichen von Zufriedenheit doch nicht unser eigentliches Ziel darstellt. Es ist aber ein sehr starker Antrieb, der die Menschheit immer wieder inspiriert. Doch zu was hat er uns getrieben und treibt er uns weiterhin an?
Der Mensch hat angefangen und tut es immer noch, sich selbst und seine Umgebung zu erforschen und zu beobachten. Mit einer scheinbar unstillbaren Neugier fragt er: Woher komme ich, wo gehe ich hin? Was ist um mich herum, was ist in mir drin? Religionen, Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften, Psychologie, Medizin u.a. sind entstanden.
Auch geben wir uns anderen Beschäftigungen hin, die ein kreatives Handeln erfordern und andere Menschen dazu auffordern, deren Ergebnisse auf eine intuitive Weise zu betrachten. Malerei, Tanz, Musik, Dichtung und andere Künste haben sich entwickelt.
Dies sind alles Dinge, die zwar das Überleben optimieren und verbessern, aber dafür eigentlich nicht unbedingt notwendig sind. Und trotzdem tun wir es und geben sogar Geld für all diese Arten der Betrachtung aus. Das spricht dafür, daß Betrachtung und Reflektion in uns zu einer Weiterentwicklung streben.
Betrachtung, Wahrnehmung und Erkenntnis sind immer auftretende gemeinsame Merkmale der genannten Tätigkeiten. Die Suche nach Zufriedenheit deren Motor.
“Der Mensch ist die Art des Universums, sich selbst zu betrachten”
[nach Alan Watts]
Das Universum als ein theoretisches Konstrukt umfaßt alle Dinge, die jemals existiert haben, existieren und existieren werden.
Das Universum entwickelt sich. Die meisten Religionen und Theorien gehen zumindest davon aus: Es gab einen wohl eine Art “Anfang” und eine zeitliche Entwicklung ins Jetzt. Über Ursache und Wirkung, was davor war und was kommen wird gehen die Meinung extrem weit auseinander.
Sämtliche religiösen Erfahrungen und intellektuellen Erkenntnisse ordnen wir in unser bestehendes schon angeeignetes Wissen ein und werten und strukturieren es. Das vermeintliche Wissen stellt somit lediglich Annahmen mit mehr oder weniger großer Wahrscheinlichkeit dar.
Nach der aktuellen naturwissenschaftlichen Theorie bestehen wir Menschen ebenso wie alle anderen uns bekannten Lebewesen aus komplex organisierter Materie, die auf der Erde eine offensichtlich wichtige Grundlage für Leben darstellt. Diese Materie stammt aus Erde, die Erde stammt aus versprengter Materie aus dem Weltall, vielleicht aus explodierten Sternen, die Sterne aus versprengter Energie aus dem Urknall, der Urknall … . Wenn wir sterben, geht “unsere” Materie wieder in den großen Zyklus ein und wir sind tot.
Auch nach der Interpretation vieler Religionen wurden die Menschen und alle anderen Dinge von einem Gott geschaffen bzw. von einer universellen Kraft, sind davon durchströmt und irgendwann kehren sie dahin zurück, werden bestraft oder belohnt oder gehen einfach nur wieder im göttlichen Strom auf.
Ob es ein Gott oder viele oder ein Urknall oder sonstwie geartete Energie war … , ob wir vor unserer Geburt schon existierten, nach unserem Tod wiedergeboren werden, ewig leben oder ewig nicht leben, in die Hölle kommen oder erlöst werden… , ob es noch mehr im Universum gibt, als Materie und technisch meßbare Energie … , der Versuch, diese Fragen zu beantworten führt zu intellektuellen Spielen, die durchaus inspirierend sind aber auch in Verwirrung und vermeintlicher Erkenntnis enden können.
Egal, welche Theorie man als wahrscheinlich annimmt, wir sind ein Teil des Universums oder wie auch immer dieses Etwas genannt wird. Wir leben in ihm und erforschen es, als Teil desselben. Doch es ist müßig, die Beantwortung von Fragen zu suchen. Das einzige, was wir wohl wirklich wissen, ist daß wir jetzt gerade existieren und uns Gedanken machen.
Wir schauen das Universum selbst an, intellektuell, emotional, sehen es in unserer eigenen Gestalt, in den Sternen, in den Blumen, in den Tieren . Wir schauen uns selbst an, wenn wir in den Himmel schauen, wie, als ob wir als Menschen unseren eigenen großen Zeh betrachten.
So, wie die Vögel zwitschern, weil es ihrer Natur entspricht, betrachten wir uns und unsere Umwelt mit den uns gegebenen Sinnen und Fähigkeiten. Wir reflektieren das Dasein und können gar nicht anders. Warum auch immer wir das tun. Wir tun es unablässig und können es nicht lassen. Warum sollten wir uns gegen diese Eigenschaft sträuben? Reflektierende Betrachtung ist in uns angelegt und muß nur entwickelt und gekräftigt werden.
In der Meditation schaut sich das Universum, durch uns, selbst an und erfreut sich seiner eigenen Bewußtheit. Wenn wir uns darüber freuen, freut sich das Universum.
“Indem wir in unsere eigene Natur hineinblicken, erfahren wir das reine Dasein selbst.”
[nach Katsuki Sekida]
Anmerkung: Diese Ausführungen sind persönliche Ansichten von Karsten Falk.