Über Aikido wurde und wird viel geschrieben und noch mehr erzählt. Die Meinungen darüber, was Aikido ist und was es nicht ist, sind sehr verschieden. Offenbar birgt Aikido viele Fragen in sich.

Die Entwicklung des Aikido wird maßgeblich Morihei Ueshiba und seinen Schülern zugeschrieben, der seine Kampfkunst in den 40er Jahren des 20.Jahrhunderts unter diesem Namen der japanischen Öffentlichkeit vorstellte. Die Wurzeln des Aikido reichen über 900 Jahre bis in das japanische Mittelalter zurück. Obwohl Aikido in seiner heutigen Form eigentlich recht jung ist, ranken sich viele Legenden um seinen Begründer, und mittlerweile haben sich weltweit so viele Stilrichtungen herausgebildet, daß diese kaum noch zu überblicken sind.

Doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, im Gegenteil: Daraus wird ersichtlich, das sich diese Kampfkunst gerade erst entwickelt und jeder, der möchte, kann daran teilhaben.

Was kann man über Aikido mit großer Sicherheit sagen?

  • Aikido ist eine mehr oder weniger komplexe Bewegungskunst.
  • Beim Aikido spielen viele Aspekte der Selbstverteidigung und des Zweikampfes eine zentrale Rolle.
  • Die Techniken des Aikido basieren auf diversen Arm- bzw. Handhebeln und der Gleichgewichtsbrechung des angreifenden Übungspartners.
  • Bewegungsmuster, die ihren Ursprung in den Schwertkünsten der Samurai haben, sind häufig anzutreffen und werden daher auch gerne mit dem Holzschwert geübt.
  • Auch Bewegungsmuster, die aus dem Stockkampf stammen, werden benutzt, um Aikido zu praktizieren.

Was kann man über Aikido mit weniger großer Sicherheit sagen?

  • Aikido ist eine effektive Selbstverteidigungskunst, mit der sich auch schwache Menschen gegen einen starken Angriff zu Wehr setzen können
  • Man kann sich in einem echten Kampf erlauben, den oder die Angreifer liebevoll zu schonen und trotzdem die Kontrolle über die Situation zu behalten. Am Ende sollen alle Beteiligten zu möglichst geringem Schaden gekommen und zufrieden sein.
  • Durch die Praxis des Aikido wird man ein harmonischer und ausgeglichener Mensch.
  • Durch das Aikido lernt man die universelle Energie “Ki” zu spüren, zu mobilisieren und zu harmonisieren.
  • In verschiedenen Schriften wird dem Aikido großes Potential in vielen unterschiedlichen Bereichen zugeschrieben. Doch ist es überhaupt möglich, all diese Potentiale gleichzeitig und zu nutzen und zu entwickeln? Wozu soll man “das Fahrrad neu erfinden”?

Warum soll ich 1.
Aikido mit dem Selbstverteidigungsziel üben, wenn es durchaus andere sehr effektive Selbstverteidigungssysteme gibt, die die Aspekte des realen Zweikampfes viel intensiver berücksichtigen?

Warum soll ich 2.
mein “Ki” ausgerechnet durch Aikido aktivieren, wenn es doch auch hier Systeme gibt, die das auch ohne diesen “lästigen” Selbstverteidigungsaspekt seit Hunderten von Jahren praktizieren?

Und warum soll ich 3.
gerade durch das wiederholte Üben bestimmter Bewegungsabläufe und Techniken ein “besserer”, ausgeglichener, womöglich “erleuchteter” Mensch werden? Auch da gibt es schon andere Praktiken, die sich diesem Ziel schon viel länger und wahrscheinlich auch effektiver widmen.

Was ist dann aber das Besondere am Aikido?

  • Aikido ist wohl am ehesten als eine Partner-Übung geeignet. Dabei geht es nicht um den Kampf gegen den Übungspartner, sondern um den Versuch des Findens des besten Weges, einen simulierten Angriff mit größtmöglicher Sicherheit und möglichst wenig Kraftanstrengung abzuwehren.
  • Dieser Versuch des Findens des besten Weges ist eine komplexe Anstrengung des gesamten sensomotorischen Systems unseres Organismus und erfordert eine ganz bestimmte Art der geistigen Versenkung und Selbstbeobachtung.
  • Auch bei dem angreifende Übungspartner ist diese besondere Art der geistigen und körperlichen Spannung und natürlich auch eine gute Fallschule vonnöten. Ohne diese Aspekte könnte er seinem Partner kein gutes Medium zum Versuch des Findens des besten Weges sein. Auch ein Wechsel der Rollen ist damit spontan möglich.
  • Das Einmalige am Aikido ist eben dieses besondere Spiel mit Angriff und Verteidigung, welches ein hohes Maß an geistiger und körperlicher Sensibilität und Flexibilität, Entspannungs- und Anspannungsfähigkeit erfordert.
  • Was alles aus dem regelmäßigen Suchen dieses Zustandes für Erfahrungen, Entwicklungen und sonstigen Aspekten erwachsen kann, kann man nur für sich selbst herausfinden.

Wie ist das in der Praxis zu verstehen?
Als Modell, um diesen Zustand zu erreichen, nutzen wir im Aikido in erster Linie den Zweikampf. Und je besser das Werkzeug, um so besser ist das Produkt. Also bemühen wir uns im Aikido darum, die wichtigsten Aspekte des Zweikampfes möglichst realistisch darzustellen und zu üben. Holzschwert (Boken) und Holzstab (Jo) sind uns dabei ebenfalls wichtige Hilfsmittel.

Auch die Praxis des Iaido mit einem Übunsschwert (Iaito) als eine Art von Bewegungsmeditation kann diesen Weg und sein Verständnis maßgeblich unterstützen. Bestimmte Arten der Meditation in absoluter Bewegungslosigkeit können dem Übenden eine Ahnung davon geben, wie sich ein Zustand der Versenkung anfühlt, der in Bewegung weitaus schwieriger zu erreichen ist.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß das Ziel des Aikido nicht der ideale Kampf in ferner Zukunft gegen einen oder mehrere Gegner und daher auch nicht der Schwerpunkt unseres Trainings ist.

Das Ziel liegt ganz konkret im Hier und Jetzt,
und zwar jede Woche beim Training in der Übungshalle (Dojo): Das Erreichen eines geistigen und körperlichen Zustandes, der das Finden des besten Weges ermöglicht.

Hinweis: Diese Ausführungen sind persönliche Ansichten von Karsten Falk

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